24 Mutterbilder – Elisabeth Masé

Elisabeth Masé, Aquarell 2014
Elisabeth Masé, Aquarell 2014
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19 Brief an die Mutter

Als du mich auf die Welt gebracht, da warn die Hände schon längst schwielig, der Rücken nur aus Altersgründen noch nicht krumm. Leicht war es nie, dein Leben, doch hast selten du’s nur schwer genommen, hast alles das gemeistert, woran heute so mancher schnell zerbräche. „Der MUSS, der ist ein harter Herr“, das ist dein Mantra, das war die Peitsche, die dich trieb. Denn immer war das Wohl der anderen – nicht nur der Kinder und des Mannes – dein Werk, der Ausdruck deiner Liebe, die alle wir im Herzen tragen.
Nun ist das Ein-Sam deiner Herr. Töricht war ich, als ich glaubte, dass mehr Ruhe dir beschert und dass dein Herz nun traurig zwar – doch sorgenfreier – deinen Tag durchtaktet. Hatte ich doch so gehofft, dass wenn du deine Stunden selbst bestimmst, sie mehr Freude dir bereiten. Doch sorgst du dich im Ungewiss, aus Angst vorm eigenen Krank, ums Wohl des einen, der das Meiste für dich tut.
So wisse wohl, dass wir alle dich auf Händen tragen, ein jeder so, wie er es kann; dass keiner deiner Lieben weder ihm noch dir den Rücken drehte, dass nicht nur im Wissen um das Viele, das du für uns getan, sondern aus der Liebe, die du in uns pflanztest, wir mit Freude einsteh’n für alles was du brauchst.

Für meine Mutter, die am 4. August 2016 starb.

 

(Beatrix Brockman)

12 Und es gibt sie doch: Schutzengel

Ganz grundsätzlich würde ich behaupten von meinen Eltern im christlichen Sinne erzogen worden zu sein. Der Glaube an eine „höhere Gewalt“ wurde mir schon früh und durchaus glaubhaft vermittelt.

Aber erst seit ein paar Jahren ist mein Glaube als absolut gefestigt zu bezeichnen. Unerschütterlich steht für mich fest: ES GIBT SCHUTZENGEL IN DETMOLD!

Anders ist für mich die stabile Anzahl von Schülern auf dem Grabbe Gymnasium nicht zu erklären.

Seit August 2008 ist mein Sohn stolzer „Grabbianer“.

Um dem Kind einen möglichst angenehmen Schulweg zu ermöglichen, zogen wir schon vor dem Wechsel an die weiterführende Schule, in unmittelbare Nähe des Detmolder Grabbe Gymnasiums.

Keine 10 Min. Fußweg! Nur 800m und eine große, übersichtliche Ampelkreuzung trennen meinen Sohn von der Schule unserer Wahl.

Perfekt….dachte ich…

Um meinem Kind, zumindest in der ersten Zeit, den Weg zur Schule zu erleichtern, brachte ich ihn (so war das zumindest ursprünglich geplant…) zu Fuß zur Schule.

Schon damals im August, bei allerbesten Lichtverhältnissen, schien mir die morgendliche Verkehrssituation gelegentlich recht brisant.

Aber durch beherztes und reaktionsschnelles Ausweichen vor den, bergab ganz beachtlich schnellen, Fahrradfahrern, auf sich anbietende kleine Mauervorsprünge und in schnell erreichbare Hauseinfahrten, konnte man diesen morgendlichen Expeditionen einen gewissen wachmachenden Adrenalinkick nicht absprechen.

Unter guten klimatischen Voraussetzungen, ausgeschlafen und im Vollbesitz seiner geistigen und körperlichen Reflexe, erschien es mir zu diesem Zeitpunkt (Hochsommer!!) durchaus realistisch, dass mein Sohn den Schulweg bald alleine meistern könnte.

Nichtsdestotrotz entschied ich mich, natürlich nur vorläufig, sicherheitshalber den Weg zur Schule mit meinem ja ohnehin fälligen Morgenspaziergang der Hunde zu verknüpfen.

Mit zunehmender morgendlicher Dunkelheit, und nach einigen sehr unerfreulichen Abenteuern beschlossen wir den Schulweg lieber vorläufig mit meiner Autofahrt zur Arbeitstelle zu verbinden. Natürlich nur vorübergehend…..das war 2008 …und weil es ja auch „auf dem Weg“ liegt….

Inzwischen (Wir schreiben das Jahr 2014…) gestaltet sich die Abfahrt zur Schule nach einem streng festgelegten Regelwerk und ist natürlich absolut routiniert. Die kurze Strecke ist dadurch inzwischen definitiv angstfreier, wenn auch nicht unbedingt stressfreier geworden.

Der genaue Ablauf sieht folgendermaßen aus:

Vor dem Starten des Motors überprüfen wir kurz den Verbandskasten auf seine Vollständigkeit und gehen noch mal einige elementare Handgriffe der Ersten Hilfe am Unfallort durch.

Dann rollen wir langsam aus der Einfahrt und versuchen, bis heute erfolgreich, bis kurz vor der Schule den anderen Schülern des Grabbe Gymnasiums und der anderen umliegenden Schule auszuweichen.

Mein Sohn und ich sind mittlerweile ein gut eingespieltes Team. Während ich mich auf die verschlafenen Fußgänger konzentriere, warnt er mich vor den (von links überholenden!!) unbeleuchteten Fahrradfahrern.

Aber kurz vor der Schule müssen wir wirklich zu höchst Form auflaufen.

Denn nun wird die Situation richtig kritisch: Jetzt kommen nämlich (es sei mir als Frau verziehen) MÜTTER hinzu, die (vielleicht aus ähnlichen Beweggründen wie ich??) ihre Kinder zur Schule bringen.

Ein „Komplett-Ignorieren“ der dort in der Seminarstraße herrschenden RECHT-VOR-LINKS Verkehrsregel, gehört nur zu den Kleinigkeiten. Da dies auch AUSNAHMSLOS alle   Fahrradfahrer so halten, gehört das eigentlich zu den wirklich gut zu kalkulierenden Risiken.

Richtig spannend wird es dadurch, dass besonders eilige Angehörige regelmäßig auf der ohnehin engen und beidseitig zugeparkten Straße vor der Schule IN ZWEITER REIHE PARKEN.

Unglaublich aber wahr, auch das ist morgens um 7.30 h in der Seminarstraße noch zu toppen. Diverse Eltern, die nach der Ablieferung ihrer eigenen Sprösslinge schnell noch für die eigene Frühstückspause etwas Leckeres einkaufen möchten, parken nun ihre Autos schnell vor der nahgelegenen Bäckerei „Engel“. AUF dem Fahrradweg!!!

Wenn wir es dann an der, wie kann es anders sein, ZUGEPARKTEN Feuerwehreinfahrt der Schule vorbeigeschafft haben und einen völlig legalen und sicheren Parkplatz in der Nebenstrasse gefunden haben, werden wir selber auch kurz zum Risikofaktor, da mein Kind dann stets die Beifahrertür aufreißt und seine komplette Schulausrüstung, völlig unselektiert, auf den Gehweg feuert.

Schweißgebadet, aber auch irgendwie stolz, fahre ich im Schritttempo die Strecke sicherheitshalber noch mal ab, um nach verletzten Überlebenden Ausschau zu halten.

Um die Weihnachtszeit herum dachte ich morgens tatsächlich schon mehrfach ein sichtlich angespanntes und nervös mit den Flügel schlagendes „Flugobjekt“ direkt über dem Gymnasium schweben zu sehen…. Aber, wie lange kann das EIN Schutzengel alleine das noch schaffen?

 

Sofie